Startseite -> BiografieHeinz-Bruno Krieger wurde am 2. November 1920 in Königslutter geboren. Sein Vater, der Arbeiter Hans-Bruno Krieger, der aus Remscheid stammte, war zufälligerweise nach Königslutter gekommen. Er fand Arbeit im Kalibergwerk Beienrode und heiratete in Königslutter die 17 Jahre ältere Alma Uhder, Tochter eines Landbriefträgers.
Der Vater, so beschreibt ihn Heinz-Bruno Krieger, war ein sehr frommer Mann und
gründete 1920 die erste Neuapostolische Gemeinde in Königslutter.
Leider war er lungenkrank und starb schon mit 37
Jahren. Fortan lebte Heinz-Bruno Krieger mit seiner Mutter in dem kleinen Haus
in der Neuen Straße und blieb dort bis auf seine Soldatenzeit (1939 bis 1945)
bis an sein Lebensende. Heinz-Bruno Krieger ist am 17. September 1999 gestorben
Seelenvolle Sprache
„Goldene Kindertage - in einer kleinen Stadt am Elm", so lautet der Titel eines Buches, das Heinz-Bruno Krieger
seiner Heimatstadt Königslutter gewidmet hat. In seiner sehr plastischen und seelenvollen Sprache
beschreibt er darin in 25 Kapiteln, wie er seine Kindheit in Königslutter
erlebt hat. Das beginnt mit dem Familienleben in seinem kleinen Elternhaus,
erzählt vom Brennholzsammeln im Elm, Ernten, Spielen, von Nachbarn und
Freunden, von der Schule und den Schulfesten, von Ausflügen nach Braunschweig
und vielem anderen mehr.
Das Buch vermittelt einen guten
Eindruck vom Leben in der kleinen Stadt in den 20er-Jahren des vergangenen
Jahrhunderts. Es ist aber auch eine Autobiographie, wird doch darin deutlich,
was Heinz-Bruno Krieger geprägt und bis zu seinem Lebensende
erfüllt hat.
Da ist an erster Stelle das Elternhaus zu nennen. Die sehr frommen Eltern haben den Grund für
seinen Glauben gelegt. Ehrfurcht vor der Schöpfung, Gottesfurcht, Nächstenliebe, Dankbarkeit und Zufriedenheit waren keine Worthülsen, sie wurden im
Elternhaus vorgelebt. Dabei spielte die Mutter naturgemäß die Hauptrolle. Nach Kriegers Worten erzählte sie viel, kümmerte
sich trotz finanzieller Notlagen und eigener körperlicher Behinderung von früh bis spät um die Familie, war intelligent,
kunstfertig in allen Dingen, eine liebe und weise Frau.
Liebe zur Heimat
Generationen im Besitz der Familie, umgeben von
altbekannten Nachbarn und vollgestopft mit Erinnerungen, tat ein Übriges, die Liebe zur Heimat und zu den Menschen zu
stärken. Krieger mochte die Menschen in seiner Stadt, liebte die Häuser,
Straßen und Kirchen, vor allem den Dom. In einem seiner Gedichte heißt es:
Du kleine StadtDu kleine Stadt, mit deinen Häusergiebeln, Mit deiner Häuser schöner Fachwerkflucht; Mir ist es, blätt're ich in alten Fibeln, Als atme ich des Elmes frische Luft... Mir ist es, könnt ich deine Kinder sehen, Die spielen auf den Gassen, in dem Wind Könnt einmal noch auf deinem Markte stehen, Wo ich mit Mutter ging, als kleines Kind. Die Glocken schlagen immer noch die Stunden. Die Schwalben fliegen noch wie eh' und jeh'. Hier hab ich einst für mich das Glück gefunden; Ich spür im Herzen darum immer deine Näh'. Durch die Erzählungen der Alten und die Phantasie des Jungen entwickelte sich bei Heinz-Bruno Krieger ein mystisches Verständnis, das später im Sammeln und Erforschen von Sagen seinen Niederschlag fand. Er wusste oder erahnte Zusammenhänge, die dem oberflächlichen Betrachter verschlossen blieben. Für ihn gab es mehr, als das, was man mit den Sinnen aufnehmen kann. Gottes Walten in der Welt stand für ihn aber außer Zweifel. Im Krieg schwer verwundet Schon bald nach der Schule musste Krieger seine geliebte Heimatstadt verlassen. Er wurde zum Arbeitsdienst und später zur Wehrmacht einberufen, wo er 1945 als Unteroffizier in Polen schwer verwundet wurde. Ausgezeichnet mit der Ostmedaille, dem Verwundetenabzeichen und dem EK 2 wurde er wehruntauglich und schwerbehindert entlassen. Das sinnlose Sterben in fremdem Land hat ihn tief berührt. Viele seiner späteren Gedichte handeln davon. Nach dem Krieg war es schwer für ihn, Arbeit zu finden. Zeitweise versuchte er sich als selbständiger Holzbildhauer, war lange Zeit arbeitslos, bis er 1952 im Volkswagenwerk Wolfsburg unterkam. Dort arbeitete er 30 Jahre. 1943 heiratete Krieger Ilse Rau. Die Eheleute bekamen acht Kinder, vier Mädchen und vier Jungen. Die Familie lebte weiterhin in dem kleinen Haus in der Neuen Straße in Königslutter. Sammler und Forscher Schon als Kind begann Heinz-Bruno Krieger zu sammeln und zu forschen. Nach dem Krieg fuhr er mit dem Fahrrad in die Dörfer rund um den Elm und ließ sich von den alten Leuten Sagen und Geschichten erzählen. 1967 erschien sein Buch "Elmsagen"" mit 563 Sagen, es fand überall lobende Anerkennung.In den Jahren 1950 bis 1975 veröffentlichte er in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften 278 Artikel über die unterschiedlichsten Themen, schwerpunktmäßig über Königslutter und die umliegenden Orte, Sagen und Geschichten, familienkundliche Abhandlungen und Beschreibung von Häusern. Für ein "Häuserbuch von Königslutter" wurde der Grundstein gelegt, es blieb leider unvollendet. Auch im „Moosholzmännchen", der heimatkundlichen Beilage des amtlichen Mitteilungsorgans der Stadt Königslutter, dem Stadtbüttel, war Krieger mit seinen Beiträgen über Jahrzehnte präsent. Dort veröffentlichte er auch einen Teil seiner Gedichte, die später in den beiden Gedichtsbänden „Der Nobiskrug" und in Plattdeutsch „Tau Huse" erschienen. Mehr als 400 Gedichte hat Heinz-Bruno Krieger hinterlassen. Die meisten befassen sich mit seiner Heimatstadt Königslutter,den Menschen und Jahreszeiten oder sind religiös bestimmt. Bei den Letzteren sind viele Mariengedichte, was erstaunlich ist. Er war als evangelischer Christ ein Verehrer der Gottesmutter. Unermessliches Wissen Heinz-Bruno Krieger besaß ein unermessliches Wissen. Bis ins hohe Alter brauchte er nur ein Stichwort zu bekommen, etwa den Namen einer lutterschen Familie, schon konnte er deren verwandtschaftliche Beziehungen, ihre Häuser und Berufe und vieles andere über sie erzählen. Vielen Menschen in aller Welt hat er geholfen, Stammbäume zu erstellen oder Hausgeschichten zu schreiben. Für Professoren und Wissenschaftler war er ein gefragter Ansprechpartner. Erinnert sei hier nur an sein Werk „Die Ahnen von Max Beckmann". Für sein Lebenswerk erhielt Heinz-Bruno Krieger viele Ehrungen: 1969 wurde er Sonderbeauftragter der „Gesellschaft zur Förderung niedersächsischer Heimatpflege". 1982 bekam er das „Niedersächsische Verdienstkreuz am Bande" verliehen. 1986 wurde er zum achten Ehrenbürger von Königslutter ernannt. In vielen Vereinen und Verbänden war er tätig und wurde zum Teil deren Ehrenvorsitzender, zum Beispiel von „Stift und Stadt". Neben diesen großen Auszeichnungen zeugen Hunderte von Dankesschreiben von seiner Hilfsbereitschaft, seinem Fleiß und seinem Wissen. Nach seinem Tod sind seine Sammlungen und Aufzeichnungen dem Stadtarchiv Königslutter übergeben worden. Das Niedersächsische Staatsarchiv Wolfenbüttel verfügt ebenfalls über ein großes Depositum von Heinz-Bruno Krieger, das im Jahre 2002 zugänglich sein wird.In der Todesanzeige der Stadt Königslutter hieß es: „Der Verstorbene hat sich in über 60-jähriger Tätigkeit als Heimatforscher verdient gemacht", und in einem Nachruf, ein „passionierter Menschenfreund", der „an das Gute glaubte", sei gegangen." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht erinnert bald ein Straßenschild in Königslutter an den großen Heimatforscher. Wilfried Kraus, Stadtarchivar der Stadt Königslutter, im November 2000 |